DIE PUPPENFRAU - TEXTE

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„Vor der Einfahrt ins Albulatunnel hielt der Zug, ein langer Zug der rhätischen Bahn mit Autoverlad von Samedan nach Thusis, voll ausgebucht. Eine Lawine hatte die Passstrasse über den Julier blockiert, es war Samstag und Februar, nach zwei Tagen und Nächten mit Schneetreiben war der Himmel leer, wölbte sich im klaren Blau überm Tal, die weissen Hänge phosphorhell. Meine Augen begannen zu tränen, während ich meine Spuren durch das Schattenfeld zog, zu weit von der Sonnenkulisse entfernt, um mich daran zu erwärmen, mit jedem Schritt die Distanz zum Zug erweiterte, aus dem ich ausgestiegen war, mitten auf der Strecke, von beobachtenden Blicken verfolgt, Neugierige am Zugfenster, Reisende im Wintersport, sonnenbraun und bunt. Häufig sank ich ein, versackte in der Schneewolle bis zum Knie, zog mich hoch, eine Kraftdemonstration vor Zugfenstern, falls es noch Zuschauer gab, ich drehte mich nicht, wünschte, dass sich der Zug in Bewegung setzt, seine Räder weiterrollten. In Bergün kann es neblig sein, der Talkessel von Nebel brodeln, die Zugfenster vermauern, was kümmerte es mich. Ich lief durch den Schnee, auf das Haus mit den geschlossenen Läden zu, zwischen verschneiten Bäumen gelegen, die sich noch hügelwärts ziehen. Das Tal ist hier eng, unwirtlich um diese Zeit, auch das Haus, dem ich mich langsam genähert habe, nähern musste, seit ich es vom Zugfenster sah, ging ich darauf zu, ein kleines Hotel, eine Pension oder Anstalt mit gelber Fassade und rostbraunen Läden, der Verhandlungsort nahm ich an, obwohl nichts darauf hindeutete, die Einöde menschenleer schien. Die Schneemassen machten mich frieren, die Neuschneelast auf den Bäumen, den Hängen, wo sass das Lauitier? Das Krächzen einer Krähe zerbrach am Grat, der Himmel über mir war gefroren, sein Blau erstarrt, vielleicht kam eine neue Eiszeit, war bald alles gefroren, von einer Eisschicht bedeckt, eingelagert, was hätte dann Bestand.

Noch bewegte ich mich auf ein Haus, das ich vom Zugfenster aus gesehen und ohne ersichtlichen Grund identifiziert habe als Haus, mit dem die Geschichte begann, auf das sich der Erzähler zubewegt, ohne zu wissen, was er antreffen wird, anzutreffen hofft, weshalb er dieses Haus, diesen Ort ausgewählt hat, ihn Verhandlungsort nannte, was sollte verhandelt werden, mit wem, ebenso könnte jenes Haus ein Tatort sein. Ich fühlte mich bedroht von der Kälte, von der Einöde, von mir, von meinem fragwürdigen Entschluss, hier Station zu machen, ein absurdes Unterfangen, falls es mein freier Wille war, niemand hinderte mich umzukehren, das Wolfsgeheul war unwahrscheinlich, ein kitschiger Einschub meiner Phantasie, ein Irrtum, die Wälder Mitteleuropas sind von Wölfen frei, wie man weiss.“

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