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RÓŻA UND DIE WÖLFE - INTERVIEW
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Biografische Recherchen zu Rosa Luxemburg Mail-Interview von Irène Buol mit Ingeborg Kaiser (Frühjahr 2003)1. Worum geht es in deinem Buch "Róża und die Wölfe"? Bei "Róża und die Wölfe" (phonetisch: Ruscha) handelt es sich um biografische Recherchen zu Rosa Luxemburg, gleichzeitig entsteht ein Zeitbogen von damals zu jetzt. Anhand von Briefen und Dokumenten wird das bewegte Leben der Revolutionärin und brillanten Wortgewaltigen, der lebenslang forschenden und der romantisch Liebenden erzählt, die in einem Brief an Luise Kautsky erklärte, dass sie eigentlich nur aus Versehen im Strudel der Weltgeschichte herumkreisle, aber eigentlich zum Gänsehüten geboren sei. Auf der zweiten Ebene erscheinen meine Reiseerfahrungen und -begegnungen auf den Spuren Rosa Luxemburgs. Berlin Warschau, Krakau, Festung Wronke, Ząmóśc und weitere Orte sind die Titel der Kapitel und der rote Faden im Buch. Und auf einer dritten Ebene finden sich als Spiegel zu den Überzeugungen der Kriegsgegnerin, die insgesamt fast fünfzig Monate in verschiedenen Gefängnissen zubringen musste, die Aufzeichnungen eines Kriegsfreiwilligen des Ersten Weltkriegs, der im zweiten Weltkrieg bei der Deutschen Post in Polen eingesetzt wurde und Augenzeuge der Judenmorde war. 2. Was hat dich dazu geführt, dieses Buch zu schreiben? War zuerst die Lust am Schreiben da oder Stoff, der nach Ausdruck verlangte? Ich gehe meistens von Bildern aus. Hier war es der Landwehrkanal, ein Fliessgrab im Kunstlicht als letzte Einstellung im Margarethe-Trotta-Film über Rosa L., der sich mir buchstäblich einbrannte. Daraus wurde eine Annäherung über Jahre. Ich lernte einen weiblichen Menschen kennen, der mit seiner Lebensweise, seinen politischen Ideen seiner Zeit voraus war. Rosa L. war Internationalistin, sie wollte keinen Bruderkrieg in Europa, forderte die konsequente Verweigerung und wurde deshalb zunehmend von der Politprominenz, der "sumpfigen Froschgesellschaft", wie sie es nannte, kaltgestellt. Auch ihr Privatleben passte nicht ins wilhelminische Zeitalter. 3. Wie gingst du bei Deinen Recherchen vor? Ich besorgte mir die fünf Bände der gesammelten Briefe sowie eine Ausgabe der gesammelten Werke und las einige Biografien. Und bekam Kontakt zur Rosa-Luxemburg-Gesellschaft, zu Historikern, die weltweit am Forschen sind. Dazu kamen meine Reisen an die "Tatorte". 4. Hat sich die Geschichte beim Schreiben (weiter) entwickelt? Rosa L. ist eine historische Figur, ich durfte also nichts dazu erfinden. Deshalb habe ich "Róża" eingeführt, sie erlaubte mir das Erzählen, Berichten und die Anrede mit Du. Jede Wortarbeit entwickelt sich beim Fortschreiben, wird eigenständiger. In einem Einakter, den ich schrieb, nahmen die die beiden alten Leute - gegen meinen Willen - das Telefon nicht mehr ab. 5. Kannst du etwas über dein Gesamtwerk sagen? Mein Grenzwechsel von Deutschland in die Schweiz machte mich zur "importierten Frau". Ich hatte keine bzw. die falsche Sprache und musste mir meine Identität neu erschreiben. Bald wechselte ich von der Rollenprosa zu Arbeiten, die näher bei mir angesiedelt waren, wie z.B. "Die Puppenfrau". Später konnte ich mich anderen Themen zuwenden, die mich ansprachen. Ein Interview im Spiegel, beispielsweise, das den Mord an Benno Ohnesorge während der Studentenunruhen in Berlin behandelte, wurde zum Stück "Freitagabend", oder im Roman "Mord der Angst" wird die fiktive Biografie eines fünffachen Mörders aufgerollt, die sich auf den aufsehenerregenden und bis heute ungeklärten Mordfall Seewen bezieht. Die Lyrik dagegen ist mir eines Tages zugelaufen, sie ist nicht planbar, aber klopft sie an, höre ich aufmerksam hin. |
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